Drucken im Blut

Drucken im Blut: Valentin Papa, der Leipziger Drucker-Pabst

Valentin Pabst, auch als Valentin Bapst oder Valentin Papa bezeichnet, war einer der ersten Leipziger Drucker. Seine Vorfahren hatten noch als „Olitätenhändler“ (Wanderapotheker aus dem Thüringer Wald) ihre Kräuterbücher von Hand geschrieben. Valentin Pabsts Werkstatt ist nachweisbar von 1540-ca.1560. Noch zweihundert Jahre später wurde er von Christian Friedrich Gessner in sein Werk „Die so nöthig als nützliche Buchdruckerkunst…“ (Leipzig 1740) aufgenommen.

 


Mein Großvater Otto Pabst musste während seiner Buchhändlerlehre in Leipzig „recht frühe als Buchhandlungsgehilfe mit dem Stoßkarren und den schweren Bücherpaketen auf den Bahnhof fahren“ (Lebensbeschreibung). Später war er über München (eigene Versandbuchhandlung) und Stuttgart (Engelhorns Romanbibliothek) nach Ulm gekommen, seine Einbürgerungsurkunde ins ehemalige Königreich Württemberg datiert von 1919.
Von unseren Drucker- und Verlags-Ahnen hat mein Vater mir erst erzählt, als er mir zur bestandenen Gesellenprüfung als Drucker gratulierte. Sicher hat er mich mit dem Drucken infiziert, bei einem stundenlangen Besuch einer Ausstellung von Frühdrucken: Johann Zainer („Ulmer Aesop“), Ulrich Dinckmuth („Ulmer Terenz“), und Reger („Ulmer Ptolemäus“).

Zusammen mit den Ulmer Frühdruckern waren HAP Grieshaber und Josua Reichert die Paten für meine zweite Berufswahl. Nach dem Abitur hatte ich als Handsetzer gelernt und gearbeitet, so dass ich mit den typografischen Regeln und Gesetzen vertraut war. Immerhin war ich nach dem Studium so realistisch, nicht mehr Handsetzer oder Buchdrucker zu lernen, sondern den 1974 vergleichsweise neuen Beruf des Offsetdruckers. Da ich meine Lehre in einer Übergangszeit machte, habe ich in der regulären Ausbildung nicht nur Offsetdrucker, sondern auch Buchdrucker, Offsetmontierer und Offsetkopierer gelernt, und nebenher noch Siebdrucker, Schriftsetzer und Repro-Fotograf… alles analoge Berufe, die in der Industrie eine überraschend gute Grundlage für die digitalen Überfliegereien bildeten.

Bei jedem Betriebswechsel habe ich mich in einem neuen Beruf spezialisiert: zuerst direkt nach der Lehre als Bogendrucker, dann als Endlosdrucker, das hieß: Formulare von der Rolle in Zickzack-Stapeln herzustellen. Aus dieser Zeit habe ich Übung in Papierklimatisierung, Bahnspannung, genauen Bildlängen. Nachdem maul-belser (heute Prinovis) sich 1994 auf überbreite Tiefdruckmaschinen konzentrierte, wechselte ich in den „allgemeinen“ Rollenoffsetdruck, im Jahr 2004 wieder in den Bogenoffsetdruck.

Meine Leidenschaft für exzellent Gedrucktes habe ich mir bewahrt, auch bei Lacken, Sonderfarben, Glanzeffekten, Digitaldruck. Immer wichtiger wurden Fortbildung und Standardisierung, sinnvoller Einsatz betriebswirtschaftlicher Kenntnisse und persönlicher Führung, aus vielen einzelnen Erfahrungen entwickeltes nachhaltiges Management: „Hänschen kann brauchen, was es gelernt hat“.
(aus meinem Buch „Sehen lernen, Wissen lernen, leben lernen“ (2007)

Kommentare sind geschlossen.